Nach einem schwachen zweiten Quartal geht der World Gold Council davon aus, dass die Goldnachfrage zum Ende des Jahres hin wieder anziehen wird. Der Grund dafür ist nach Ansicht der Experten vor allem der Investmentsektor, der unter großer Nervosität rund um die Staatsfinanzen leidet.
Dass man von Seiten des World Gold Council positive Stimmen zur Goldentwicklung hört, erstaunt nicht. Die Organisation ist ein Lobbyist der wichtigsten Goldminenunternehmen und soll die Nutzung von Gold fördern. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Veröffentlichungen des World Gold Council, denn diese kommen aufgrund der Verflechtung der Organisation mit der Goldbranche aus erster Hand.
So dürfte Anleger interessieren, dass man beim World Gold Council im weiteren Jahresverlauf wieder mit einer steigenden Nachfrage nach Gold rechnet. Getrieben werden solle diese vor allem von zwei Faktoren: Zum einen von der Nachfrage aus der Schmuckindustrie, hier insbesondere aus China und Indien, zum anderen von dem Goldhunger bei Investoren. Letzterer soll unter anderem von den aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten geprägt sein, wo die Investoren derzeit vor allem vor unkalkulierbaren Folgen der Krise bei den Staatsfinanzen zittern – das gilt nicht nur für Griechenlands Finanzen.
Trifft die Prognose der Council-Experten ein, wäre dies eine klare Trendwende gegenüber der Entwicklung im vergangenen Quartal. Vor allem ein deutlicher Rückgang der Nachfrage nach Gold durch Investoren hat die gesamte Goldnachfrage scharf fallen lassen. In den Monaten von April bis Juni war diese um rund 17 Prozent zurück gegangen, obwohl die Schmuckindustrie weiter fleißig Gold kaufte.
Die Geldzuflüsse in Exchange Traded Funds seit Beginn des dritten Quartals untermauern die These einer Trendwende, denn insbesondere von Großanlegern scheint wieder kräftig Geld in Goldanlagen gepumpt zu werden. Die Notenbanken spielen in den Kalkulationen des World Gold Council ebenfalls eine Rolle. Man geht davon aus, dass von dieser Seite aus ebenfalls weiterhin Käufe erfolgen werden. Schwächer könnte dagegen die Nachfrage von Seiten der westlichen Schmuckindustrie ausfallen – hier wären die konjunkturellen Unsicherheiten als Grund zu nennen. Alles in allem aber bleiben die Aussichten für die Nachfrage nach Gold „bullish”, so David Lamb vom World Gold Council.
Derweil staunt man am Markt weiter über die hohe Schwankungsfreudigkeit, die der Goldpreis seit einiger Zeit aufweist. Es sei die höchste Volatilität seit Dezember 2008, so die Experten des Bankhauses Macquarie in einem Kommentar. Dass der Goldkurs trotz weiter hoher Unsicherheiten um die europäischen Staatsfinanzen und den Querelen in der EZB nicht gestiegen sei, wird am Markt vor allem als Folge eines sich erholenden US-Dollars angesehen. Diese Entwicklung habe einige Investoren dazu veranlasst, vorsichtiger zu agieren, heißt es.
An der charttechnischen Lage beim Feinunzenpreis hat sich derweil in den vergangenen Tagen wenig geändert. Der Kurs schwankt mit großen Schritten in einer Zone unterhalb einer Topzone, die sich zwischen 1.903 Dollar und 1.921 Dollar befindet. Eine erste Unterstützung findet sich in einem breiteren Band um die Marke von 1.800 Dollar.
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