Die Analysten der HSBC halten an ihrer Prognose für einen durchschnittlichen Goldpreis von 1.850 USD pro Unze im laufenden Jahr fest. Als Gründe führen sie weiterhin die hohe Verschuldung vieler Staaten, die lockere Geldpolitik und wachsende geopolitische Risiken an.
Zudem könnte nach Meinung der Experten eine Verschiebung der Fokussierung von der europäischen Schuldenkrise hin zu den fiskalischen Problemen der USA im Wahljahr 2012 die Investorennachfrage nach Gold stimulieren. Die HSBC ist der Ansicht, dass ein steigender Minenausstoß, eine schwache Schmucknachfrage und ein hohes Angebot an Altgold die Goldrallye zwar begrenzen aber nicht umkehren können.
Wie die Analysten weiter ausführen, sei die Tatsache, dass die Zentralbanken nun zu starken Goldkäufern geworden seien, nachdem sie über Jahrzehnte auf der Verkäuferseite gestanden hätten, die wichtigste positive Entwicklung für den Goldpreis seit der Entstehung der Gold-ETF (Exchange Traded Funds). Die HSBC geht davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen und die Nachfrage aus dem offiziellen Sektor das Angebot verknappen wird, was positive Auswirkungen auf den Goldpreis habe.
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Goldpreisanalyse 2012 im Spannungsfeld globaler Ereignisse und kapitaleffizienter Investments
Die Analyse von HSBC wird auch von mir im Wesentlichen geteilt:
Die globale Weltwirtschaft verlangt nach kapitaleffizienten Investments und kann nur dann kraftvoll wirken, wenn ausreichend „Working Capital“ zur Verfügung steht. Insoweit war es nicht wirklich überraschend, dass vor allem Aktienwerte im Monat Januar 2012 stark angezogen haben. Flankierende Maßnahmen der EZB und die Auflage von SOFFIN 2 garantieren den Unternehmen und Banken den Kapitalzugriff in einem gesicherten Volumen, um den Wirtschaft weiter befeuern zu können. Mit der hinreichenden Ausstattung mit Kapital drückt sich erkennbar – trotz aller Bedenken von Finanzökonomen – ein positiver, auf Wachstum gerichteter Trend aus, der für die Euro-Währungszone wahrscheinlich existenziell ist. Deshalb nützt der Goldbestand in den Tresoren insoweit nichts.
Kapitaleffiziente Investments helfen daher nicht nur der Wirtschaft, sie blocken zugleich einen weiteren Höhenflug des Goldpreises, war zumindest bisher ständiges Fachwissen in der Finanzökonomie. Da jedoch auch der Goldpreis im Januar 2012 wieder – wenn auch nur moderat –
Auf hohem Niveau angezogen ist, kam bei einigen Analysten sofort die Frage auf, ob bisheriges Wissen und Erkenntnis zum zyklischen oder anti-zyklischen Verhalten des Goldpreises noch ihre Gültig haben: bislang gingen die Experten im Wesentlichen von der Formel aus: steigt der Goldpreis, (muss) fallen die Aktienkurse, umgekehrt – wenn die Aktienwerte steigen, (muss) der Goldpreis fallen. Die Frage kann zunächst dahinstehen, es kann sich im Onat Januar um anti-zyklische Korrekturen gehandelt haben, die mit dem hohen Niveau des Goldpreises einhergehen.
Eine andere Frage blieb weiter dahingehend offen, welche nachvollziehbaren, rationalen Effekte ein weiteres Ansteigen des Goldpreises, etwa über die Marke von 2.000 USD pro Unze, begründen kann.
Einige Analysten gehen von einem rasanten Anstieg des Goldpreises aus, sobald in den USA im lfd. Jahr die Schuldenobergrenze sowie die Finanzprobleme wieder thematisiert werden sollten, die bislang nur verschoben wurden. So sieht Jeffrey Wright, Analyst bei Global Hunter Services, den Preis sogar bei 1.800 $ bis 2.000 US$ für die Feinunze, was einer Steigerung von bis zu 27% für das Jahr 2012 gleich kommen würde. Andere Marktbeobachter spekulieren auf die fortgesetzt weiterhin bestehende (hohe) Nachfrage nach Gold, etwa aus dem Bereich Asiens und Russland. Wieder Andere begründen den Schritt in Richtung Goldkauf mit den Unsicherheiten in der Euro-Währungszone. Letztere Ansicht erscheint jedoch im Jahr 2012 nicht mehr objektiv begründbar zu sein:
Positiv ist zu vermerken, dass die Märkte zwischenzeitlich den Fall Griechenland nicht mehr mit einem Chaos einer sogenannten ungeordneten Staaten-Insolvenz gleichsetzen, sondern zunehmend gelassen die „reformatio Graecia“ eingepreist haben, komme was wolle. In die Insolvenz kann Griechenland zwar nicht gezwungen werden. Einen „Flächenbrand“ (Dominoeffekt) auf andere EU-Mitgliedstaaten erscheint aus Analystensicht jedoch zwischenzeitlich aufgrund der Konsolidierungseffekte höchst unwahrscheinlich und das sogenannte „Klumpen-Risiko“ der Verzahnung innerhalb der Wirtschafts- und Finanzmärkte beherrschbar zu sein.
Für Griechenland geht es auf jeden Fall auch weiter, wahrscheinlich sogar objektiv besser, als unter den stringenten, erdrückenden Anforderungen der Euro-Zone.
Es fehlt demnach zunehmend an guten Gründen und Anreizen zum Kauf von Gold auf diesem hohen Niveau, weshalb ein durchschnittlicher Goldpreis von 1.850 USD pro Unze eine sehr wahrscheinliche Einschätzung und Kalkulation sein dürfte.
Sandro Valecchi, Analyst, 10555 Berlin