Seltene Erden: China eröffnet die nächste Runde

Frisch gebrochenes Karbonatit vom Blue-River-Projekt von Commerce Resources

Im Kampf um die Seltenen Erden wird offenbar die nächste Karte ausgespielt. In China scheint man eine teilweise Lagerung der begehrten Rohstoffe zu planen. Nicht mehr die gesamte Jahresproduktion soll dem Markt zur Verfügung gestellt werden.

Erst im Juli hatte die chinesische Regierung für Aufruhr gesorgt. Damals haben die Behörden die Exportquoten für Seltene Erden deutlich gekürzt, um rund 40 Prozent. Wurden 2009 noch mehr als 50.000 Tonnen ins Ausland exportiert, so soll der Export im laufenden Jahr auf rund 30.000 Tonnen beschränkt werden. Auf den Preis der Seltenen Erden zeigt diese Beschränkung Wirkung, im Jahresverlauf sind die Rohstoffpreise bei den insgesamt 17 verschiedenen Seltenen Erden um 22 Prozent bis 750 Prozent angestiegen. Im Durchschnitt beläuft sich das Plus auf 300 Prozent. So hohe Preise sind in den vergangenen zehn Jahren noch nie bezahlt worden.

Viele internationale Konzerne sind von dieser Entwicklung nicht erfreut, da Seltene Erden in vielen Produktionsbereichen, von den wieder aufladbaren Batterien bis hin zu den Windturbinen, zum Einsatz kommen. Selbst die Politik nahm sich des Themas an, Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Aspekt bei ihrer jüngsten Chinareise auf der Agenda.

China produziert, je nach Quellenlage, zwischen 90 Prozent und 95 Prozent der auf der Welt geförderten Seltenen Erden. Kanada, die USA und Australien starten derzeit Versuche, diese Monopolstellung zu durchbrechen, indem sie auf ihren Gebieten nach Seltenen Erden suchen lassen. Doch noch kann China den Markt und den Preis dominieren.

Die jüngsten Meldungen aus dem Reich der Mitte sind aber nicht nur für die ausländischen Märkte von Bedeutung, sie treffen ebenfalls die einheimische Industrie. Der größte Produzent von Seltenen Erden im Land, Baotou Steel Rare-Earth, soll nicht mehr seine gesamte Produktion am Markt verkaufen dürfen. Die in der Inneren Mongolei beheimatete Company, eine Tochter der Baotou Steel Group, kann im laufenden Jahr, wie 2009, etwa 55.000 Tonnen der Seltenen Erden fördern. Das entspricht großen Teilen der Gesamtproduktion von 89.200 Tonnen, die in China von allen Förderern zusammen produziert werden dürfen. Allerdings gibt es Medienberichten zufolge Pläne, dass von Baotous Gesamtproduktion nur 50.000 Tonnen auf den Markt gebracht werden dürfen. Die verbleibenden 5.000 Tonnen sollen eingelagert werden.

Schon vor Monaten gab es Meldungen, dass Baotou Steel Rare-Earth Lagerungsmöglichkeiten aufbauen sollte, um darin bis zu 200.000 Tonnen der Selten Erden zu speichern. Die aktuell anstehende Kappung der Verkaufsmöglichkeiten wäre somit nur ein bescheidener Anfang. Von Seiten des Unternehmens gibt es zu der Angelegenheit jedoch keinen Kommentar.

Sollten die Pläne Realität werden, würde dies zu einer weiteren Verknappung des Angebots führen. Die Seltenen Erden sind auch in der chinesischen Industrie heiß begehrt. Dort könnten die Preise für die Rohstoffe ebenfalls ansteigen, was Auswirkungen auf die gesamten Produktionskosten hätte. Derzeit sind die Preise, die im Ausland für die Rohstoffe gezahlt werden, noch deutlich höher als die inländischen Preise. Wird diese Preis-Schere kleiner, wäre ein Export nicht mehr so lukrativ wie bisher. Für die Förderbranche wäre dies lohnend, die anderen Industriezweige, die auf die Rohstoffe angewiesen sind, müssten ihre Preise erhöhen und sich damit am Weltmarkt durchsetzen.

Der Lageraufbau bei Baotou Steel Rare-Earth könnte nur ein erster Schritt sein. Chinesische Stellen überlegen derzeit, staatliche Speicherstätten aufzubauen. Das könnte für den internationalen Markt weit reichende Folgen haben.

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