Bildet sich endlich ein Boden aus? Länger als gedacht – Uranpreis seit Fukushima auf Talfahrt

Bau eines Reaktors in Japan, Foto: Cameco Corp.

Als sich im März vergangenen Jahres die Nukleartragödie im japanischen Fukushima ereignete, war selbst den optimistischsten Anlegern klar, dass der Uranmarkt unter Druck geraten würde. Nur hätten viele Anleger nicht gedacht, dass dieser Bärenmarkt so lange anhält.

Denn auch achtzehn Monate nach dem GAU sinkt der Uranpreis weiter. Der Spotpreis fiel diese Woche auf 46,50 USD und damit das niedrigste Niveau seit 2010,  zeigen Daten von Ux Consulting. 2007 war der Uranpreis kurzfristig auf mehr als 135 USD pro Pfund gestiegen.

Auch der Langfristpreis ist zurückgegangen, liegt allerdings mit 60 USD pro Pfund noch deutlich höher. Das spiegelt die Tatsache wieder, dass die Käufer mehr für Material zahlen, dass Mitte des Jahrzehnts oder noch später geliefert wird. Ein schlechtes Zeichen ist dabei, dass – wie die Analysten von TD Securities anmerken – der September eigentlich die Kaufsaison am Uranmarkt einleitet, sodass die aktuelle Schwäche Anlass zur Beunruhigung gibt.

Obwohl das Verkaufsvolumen am Spotmarkt zuletzt sehr niedrig war, gibt es mehr als genug Uran, um die Versorger zu beliefern. Das bedeutet, jede Wette auf den strahlenden Rohstoff ist eine Wette darauf, dass die Nachfrage nach Atomkraft in den kommenden Jahren deutlich anziehen wird.

Fukushima hat diese Überzeugung im vergangenen Jahr allerdings ins Wanken gebracht. Mehrere Länder, darunter auch China, nahmen eine Überprüfung ihrer Wachstums- und Sicherheitspläne für den Atomkraftsektor vor. Viele Experten dachten, dabei würde es sich nur um eine kurzfristige Initiative handeln und dass diese Länder mangels Alternativen wieder auf den alten Pfad zurückkehren würden.

Doch Zweifel an der Zukunft der Nuklearkraft bleiben bestehen. Japan verschob beispielsweise die Wiederinbetriebnahme seiner Reaktoren und plant zudem, bis 2030 ganz auf Atomkraft zu verzichten. Gleichzeitig erklärte der neue französische Präsident François Hollande, dass er den Anteil des Atomstroms am Energiemix Frankreichs von 75 auf 50% senken wolle.

Entsprechend, da zwei der wichtigsten Märkte für Atomstrom weltweit den langfristigen Ausblick in Frage stellen, glaubt TD Securities, dass der Uranpreis weitere zwölf schwache Monate vor sich haben wird.

Das ist eine Ansicht, die viele Anleger teilen. Doch die Uran-Bullen halten daran fest, dass die langfristigen Nachfrageaussichten auf einen sehr engen Markt hindeuten – ob nun mit oder ohne Japan. Denn derzeit befinden sich weltweit 65 neue Reaktoren im Bau und weitere 160 sind in der Planungsphase behauptet die World Nuclear Association. Allein China zeichnet für 26 der im Bau befindlichen und 51 der geplanten Reaktoren verantwortlich, heißt es.

Und so halten die Uranproduzenten denn auch an ihren langfristigen Wachstumsplänen fest – trotz der aktuellen Marktschwäche. Auch sie glauben, dass die so genannte „nukleare Renaissance“ noch lange nicht vorbei ist. So will beispielsweise der kanadische Uranproduzent Cameco (WKN 882017) seinen Ausstoß bis 2018 auf 40 Mio. Pfund pro Jahr verdoppeln. Der weltgrößte Uranproduzent nutzt zudem den schwachen Markt, um im Akquisitionsbereich aktiv zu werden.

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass sich nun doch ein Preisboden ausbildet. Ux Consulting wies darauf hin, dass die Aktivitäten am Spotmarkt in der vergangenen Woche anzogen, was andeutet, dass der Preis mittlerweile weit genug gefallen ist, um die Versorger dazu zu bewegen, ihre Lagerbestände wieder aufzufüllen.

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