Aktie von K+S stürzt ab: Russisches Roulette am Kalimarkt?

Kaliminenstollen

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Nach Äußerungen des russischen Branchenriesen Uralkali ist die Börse in heller Aufruhr. Droht unter den Kaliförderern zukünftig ein ruinöser Preiskampf in einem Markt, der letztlich langfristig große Chancen bietet?

Uralkali ist eines der größten Unternehmen seiner Branche. Bis gestern dürfte der russische Konzern aber hierzulande nur den Menschen bekannt gewesen sein, die sich etwas detaillierter mit der Kalibranche auseinander gesetzt haben. Das hat sich heute kräftig geändert und der Grund hierfür ist der heftige Kursrutsch, den K+S am Dienstag erleidet. Die DAX-notierte Aktie verliert rund ein Viertel an Wert.

Wie hängt das zusammen? Es ist eine Nachricht aus Russland, die am Dienstagmorgen in Deutschland erst langsam, dann aber gewaltig die Runde macht. Uralkali steigt aus einem Gemeinschaftsunternehmen mit weißrussischen Partnern aus. Nicht irgendein Joint Venture, sondern eins mit großer Marktmacht und hohen Handelsvolumina, das regelmäßig in Preisverhandlungen vor allem mit Asien wichtige Duftmarken setzte. Die Russen wollen ihre Kaligeschäfte zukünftig ohne die weißrussischen Partner fortsetzen, denen man Verstöße gegen die Vereinbarungen des Joint Ventures vorwirft. Ganz schlägt Uralkali den Weißrussen die Tür aber nicht zu.

Zum endgültigen Dammbruch führt allerdings erst eine Äußerung aus dem Uralkali-Management zum Kalipreis, die unter anderem von der Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert wird. Die Lenker des russischen Konzerns rechnen mit einem Preissturz um rund ein Viertel auf weniger als 300 Dollar für die Tonne des Rohstoffes. Das schürt massive Ängste vor einem intensiveren Preiskampf in der Kalibranche. Ein solcher Kurssturz würde bei K+S den operativen Gewinn ins Bodenlose fallen lassen. Auch die Zukunft des wichtigen Legacy-Projektes in Kanada, wo K+S zukünftig große Mengen des Rohstoffes abbauen will, wäre dann unsicher. Vor diesem Hintergrund wird der zunächst für viele unerklärliche Preissturz der K+S-Aktie verständlicher.

Doch es gibt einen Haken an der Sache, auf den auch die Analysten der Nord LB in einer ersten Stellungnahme hinweisen. Strategisch machen die Äußerungen der Russen zumindest auf den ersten Blick keinen Sinn. Man schwächt die Verhandlungsbasis gegenüber Abnehmern und dürfte selbst keinerlei Interesse daran haben, den Preis derart abstürzen zu sehen.

Daher wird nun kräftig gerätselt, was die Russen mit den Aussagen bezwecken: Die weißrussischen Noch-Partner disziplinieren? Den Rest der Branche unter Druck setzen? Oder wird hier schlicht ein Verdrängungswettbewerb über den Preis eingeleitet? Letzteres wäre katastrophal für die Branche und die Aktienkurse der börsennotierten Kaliförderer, es hätte etwas von Russischem Roulette. Allerdings hätte Uralkali einen enormen Vorteil: Im Branchenvergleich sehr niedrige Förderkosten bei einem zugleich hohen Produktionsvolumen. Und langfristig würden die „Überlebenden“ eines solchen Preiskampfs größere Marktanteile in einem Düngermarkt halten, dem von allen Experten langfristig enorme Wachstumschancen zugebilligt werden. Das ist ein durchaus lukratives Motiv.

Noch aber bestimmen viele unbeantwortete Fragen das Bild, nicht nur bei der Aktie von K+S. International stehen die Aktienkurse von Kaliförderern unter Druck, die Äußerungen aus Russland haben ein kleines „Erdbeben“ verursacht. Mit „Nachbeben“ ist in den kommenden Tagen und Wochen zu rechnen. Unter anderem am 13. August: Dann legt K+S seine Halbjahreszahlen vor.


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