Harte Auseinandersetzung droht: Südafrikanische Goldminenarbeiter streiken ab Dienstag

Die südafrikanischen Minenarbeiter der Goldbranche wollen von Dienstag an für höhere Löhne streiken. Damit fügen sie einer Branche weiteren Schaden zu, die zwar rund ein Drittel allen jemals geförderten Goldes produziert hat, sich aber seit einiger Zeit im Abschwung befindet.

Trucks auf einer Mine

Trucks auf einer Mine

Die National Union of Mineworkers (NUM), der fast zwei Drittel der 120.000 Goldminenarbeiter Südafrikas angehören, teilte den Gesellschaften mit, dass der Streik mit der Nachtschicht am Dienstag beginnen werde. Die Verhandlungen waren vergangene Woche gescheitert und Gewerkschaften und Unternehmen sind weiterhin weit auseinander, was die Gehaltsvorstellungen betrifft. Die zuständige Handelskammer, welche die Firmen vertritt, hatte ein nach eigener Aussage letztes Angebot vorgelegt, demzufolge der Grundlohn der Arbeiter um 6 bis 6,5% steigen sollte.

Die NUM aber ist auf eine Gehaltserhöhung von 60% aus und die konkurrierende Gewerkschaft AMCU fordert sogar einen Lohnanstieg von 150%. Nach Ansicht der Unternehmen aber ist das angesichts der steigenden Kosten und des fallenden Goldpreises völlig unrealistisch.

Die Gewerkschaften aber scheinen entschlossen, eine – wie sie es sehen – Kultur der Niedriglöhne zu beenden, die bis in die Zeit der Apartheid zurückführt, als die Minenarbeiter sich der Branche zuwendeten, um ihre Familien ernähren zu können. Die Herrschaft des weißen Teils der Bevölkerung endete 1994 und die Gewerkschaften sind der Ansicht, dass die Minenarbeiter, die ihre Gesundheit in den Minen tief unter der Erde riskieren, einen größeren Anteil an den Profiten einer milliardenschweren Branche verdient haben.

Doch die Firmen dürften am längeren Hebel sitzen. Sie verfügen über reichlich Kapital und andere Ressourcen, während die meisten Minenarbeiter mehrere Angehörige unterstützen müssen und nicht lange auf Lohn verzichten können. Illegale Streiks machen der südafrikanischen Goldbranche seit Anfang des vergangenen Jahres zu schaffen, wobei es sogar zu Gewalttätigkeiten und Todesfällen kam – insbesondere auf Grund der Rivalität zwischen der NUM und er Association of Mineworkers and Construction Union (AMCU).

Die Bergbaukrise hat dazu geführt, dass das Kredit-Rating Afrikas größte Wirtschaft von verschiedenen Agenturen gesenkt wurde. Zudem wurde kritisiert, wie Südafrikas Präsident Jacob Zuma und der regierende African National Congress (ANC) mit den Unruhen umgingen, bei denen es Dutzende Tote gab. Dieses Mal jedenfalls werden die Arbeiter ganz legal streiken, was nervöse Anleger zumindest ein bisschen beruhigen könnte.

Unternehmen, die von den Streiks betroffen sein werden, sind unter anderem die größten Goldproduzenten des Landes AngloGold Ashanti (WKN 164180), Gold Fields (WKN 856777), Harmony Gold (WKN 851267) und Sibanye (WKN A1KBRZ).

Auch die Gehaltsverhandlungen mit der AMCU und anderen Gewerkschaften sind gescheitert, diese haben aber noch keine Streiks angekündigt. Ein Stillstand der Goldbranche könnte Südafrika mehr als 35 Mio. Dollar pro Tag an verlorener Produktion kosten, hieß es. Das basiert auf dem Spotgoldpreis und Schätzungen der Vertretung der Goldgesellschaften, die davon ausgehen, dass dem Sektor rund 760 Kilogramm Goldausstoß pro Tag verloren gehen.

Das würde den Druck auf eine ohnehin in Schwierigkeiten befindliche Wirtschaft erhöhen, die zudem bereits mit laufenden Streiks in der Automobilherstellung, im Baugewerbe und im Flugservicesektor zu kämpfen hat. Zudem drohen Streiks im Textilsektor und bei den Angestellten von Tankstellenbetreibern.

Der Johannesburger Bergbauindex ist seit Anfang 2011 um 18% gefallen, während der breitere Aktienmarkt in dieser Zeit um 32% zulegte und dabei dieses Jahr neue Rekordstände erreichte.

Die südafrikanische Goldbranche, die einst fast 80% des weltweit geförderten Goldes produzierte, befindet sich in einem starken Abwärtstrend. Das Land produziert mittlerweile nur noch 6% des weltweiten Goldausstoßes. Dazu haben geologische und wirtschaftliche Probleme beigetragen. Nach mehr als einem Jahrhundert Bergbau werden die Gesellschaften nur noch in immer größerer Tiefe fündig und das Erz kann nur noch mit hohen Kosten und unter großer Gefahr gewonnen werden. Die Kosten für Arbeitskraft und Strom pro Unze Gold sind geradezu explodiert.

Und der Goldpreis hilft da auch nicht. Spotgold liegt nun rund 27% unter dem historischen Hoch von mehr als 1.920 USD pro Unze aus dem September 2011.


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